Auslandsstudium – die ersten Tage – alles neu

Nun war ich endlich in Bozen angekommen. Die letzten Wochen habe ich bereits ungeduldig auf diesen Moment gewartet… Auf der einen Seite freute ich mich sehr eine neue Gegend zu erkunden und vor allem freute ich mich auf das Studium, auf der anderen Seite wollte ich wirklich nicht mein geliebtes Freiburg verlassen. Ich hatte immer ein Klumpen im Hals wenn ich daran dachte all die mir so wichtigen Menschen nicht mehr zu sehen.

Meine Mutter und mein Bruder hatten mich gerade verlassen, jetzt sahs ich da, alleine in meinem neuen Zimmer und ich spürte wie mein Herz schwer wurde…
Fragen über Frage schossen mir in meinen Kopf: Was mach ich denn hier? Warum bleib ich nicht einfach dort wo es mir gefällt, wo ich all meine Freunde habe…? Wieso muss ich es mir denn immer so schwer machen?

,,Okay, stop! So kann das nicht weiter gehen!”, ich riss mich zusammen stand auf und fing an meine Taschen auszupacken. ,, Jetzt mach ich es mir hier erstmal richtig gemütlich!” Trotz einer 7 stündigen Autofahrt und später Uhrzeit packte ich all mein Hab und Gut aus und begann mein Zimmer schön einzurichten und zu dekorieren.
Nein, ich wollte es einfach nicht akzeptieren, mich von meinen Gefühlen niederziehen zu lassen! Gegen 1 Uhr Nachts fiel ich zufrieden und komplett erschöpft in mein frisch bezogenen Bett. Und morgen, ja morgen werde ich erstmal die Umgebung erkunden!

Am ersten Morgen – Mein Zimmer fertig dekoriert 🙂

Beim ersten Morgengrauen wachte ich auf – 6 Uhr, perfekt! Da habe ich den ganzen Tag noch vor mir! Nach dem Frühstück schnappte ich mir mein Rad und machte mich auf Erkundungsreise. Als ich das Heim verlassen habe, viel mir erst jetzt so richtig auf, was für ein Glück ich mit der Lage hatte. In südlicher Richtung war die Altstadt in welcher ebenfalls die Universität liegt, in nördlicher Richtung lag gleich ein großer Berg mit perfektem Wanderweg! Die Altstadt werde ich mir heute Nachmittag vornehmen, das wichtige zuerst! Jetzt geht es auf den Berg!

Ich muss eingestehen, dass der Anstieg doch unerwartet steil war! Zwar war ich viel in den Bergen im Schwarzwald unterwegs, doch das war ein Schwerz hiergegen. So schob ich größtenteils mein Rad auf dem steinigen steilen Trail den Berg hoch, freute mich aber schon total auf die Abfahrt. Oben angekommen entdeckte ich dann ein Schild “Radfahrer verboten” Na toll! Und wie komm ich jetzt runter? Alles runter zuschieben wollte ich wirklich nicht… Ich irrte etwas auf dem Berg im Wald herum und fand zu meinem Glück eine Forststraße welche, an Weinreben vorbei, ebenfalls zurück in die Stadt führte.

Anfahrt nach Bozen

Zurück im Studentenwohnheim angekommen, begab ich mich in die Küche, auf die Terrasse, in die Bibliothek, in den Sportram, auf den Gang,… alles war leer, nichts – keine Menschen… So sehr würde ich mich jetzt über ein paar Menschen freuen! Jemand zum reden, Jemanden kennenlernen… Doch das Heim war noch wie ausgestorben. Das Studium beginnt erst in ein paar Wochen und die meisten Studenten werden erst kurz davor anreisen. So war ich allein in einem schönen und rießeigen Gebäude… Ich ging in mein Zimmer, setzte mich auf mein Bett und dachte nur wie gerne ich jetzt in meiner geliebten Boulderhalle in Freiburg sein würde. Dort mit meinen Freunden lachen und Spaß haben… doch jetzt sitze ich hier, allein, ganz allein… Mir kamen die Tränen hoch… und ich konnte meine Traurigkeit nicht zurückhalten. Und legte mich erstmal ins Bett…

Eine halbe Stunde später, überwand ich mich aus dem Bett zu gehen! ,, He, der Tag hat doch ganz gut mit der Radtour begonnen, jetzt schau dass du weiter einen schönen Tag hast und zieh dich selbst nicht so runter!” Ich wusste ja selbst, dass meine Gefühle von im Bett liegen und weinen nicht besser werden! So schnappte ich mein Schlüssel und wanderte in die Altstadt.

Ich lief durch die schmalen Gassen, Steinhäuser aneinander gereiht. Menschen tummelten sich vergnügt in den kleinen Parks am Rande der Stadt rum, gingen einkaufen und genossen die Sonne. Einfach eine sommerliche Urlaubsatmosphäre. Ich versuchte zu genießen, genießen und mich einfach darüber zu freuen hier sein zu dürfen. Die Gefühle des Vermissens und Alleinseins zu unterdrücken und vergessen. Ja das gelang mir durch die vielen verschiedenen Eindrücke hier in der Stadt sehr gut. Doch Zuhause angekommen, kam die Einsamkeit wieder hoch. Ja da musste ich jetzt wohl durch!

Ich war die ersten Tage doch sehr traurig und fühlte mich sehr einsam. Tag für Tag stellte ich mir selbst ein Programm auf, versuchte so wenig wie möglich allein im Heim zu sein und war hauptsächlich draußen an der frischen Luft unterwegs. Die traumhafte Umgebung hier, bring mich glücklicherweise auf andere Gedanken.
Ich fuhr viel Rad und ging fast täglich auf meinen “Hausberg” wie ich ihn nenne. Jedoch machte ich nicht mehr den Fehler den Trail mit dem Rad zufahren/schieben. Ich gewöhnte es mir an hier meine morgendliche Jogg-strecke langzulegen. Auch wenn es am Anfang unglaublich hart war diese Steigung hoch zu rennen, merkte ich wie ich mal für mal besser wurde und es mir zunehmend Spaß machte.
Um ein paar Menschen kennen zulernen beschloss ich, in die Kletterhalle in Bozen zu fahren. Zwar konnte ich zunächst nicht wirklich klettern, da mir ein Kletterpartner zum sichern fehlte, doch den Boulderbereich in der Halle könnte ich ja unsicher machen 🙂
Ich freute mich sehr darauf und fuhr voller Vorfreude mit meinem Rad die 30 Minuten zu der etwas entfernt gelegenen Halle. Sie war riesig! Nun war ich um so mehr gespannt, was sie innen zu bieten hatte! So groß sie von Außen aussah, so klein war der Boulderbereich… ich war zugegeben sehr enttäuscht… Der Bolderbereich war nicht nur sehr klein sondern auch unglaublich dreckig, die Bouldergriffe ohne jeglichen Grip, die Routen kreuz und quer ohne jegliche Rücksicht geschraubt… Das war ich wirklich nicht gewohnt. Im Blockhaus Freiburg, meiner alten Boulderhalle, waren die Bouldergriffe unheimlich sauber, voller Grip und bedacht angebracht… Auch das eigentliche Ziel, Leute kennenzulernen erreichte ich nicht wirklich. Das Wetter war einfach zu schön, so zogen es wohl die meisten vor, draußen Sport zu treiben (was ich wirklich auch nachvollziehen kann). So blieb die erhoffte Freude aus, nach 2 Stunden fuhr ich zurück in das Heim und war etwas bedrückt.

Ja, es ist gerade ein harte Kampf! Ich rappel mich jeden Tag aufs Neue auf und schau, dass ich unter Menschen komme, raus geh und genieße. Doch ich vermisse meine Freunde sehr! Aber ich weiß auch, dass es Woche für Woche besser wird. Ich freue mich einfach nur so sehr darauf, wenn mein Studium beginnt. Da werde ich wohl endlich Menschen mit den gleichen Interessen kennen lernen! Und bis dahin wird gekämpft!

Published by Steffi Storz

Naturwissenschaftlerin, Sportlerin und Gründerin von BikingNature

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